Herausforderung Alltag- wie wir das Leben trotzdem feiern

Freitag, 6. Februar 2015

Auf der Südtribüne...


in dieser Woche war es soweit, mein erstes Mal auf der Südtribüne im Stadion! Live bei dem Bundesligaspiel BVB gegen Augsburg.

Nun muss ich sagen das ich kein wirklicher Fußballfan bin. Ich bekomme am Rande immer mal mit wie es steht, aber ich habe meistens kein Interesse mir ein Spiel ganz anzuschauen.
Das allerdings ist hier in Dortmund nicht wirklich einfach.

Denn Fußball spielt hier eben eine wirklich große Rolle.
Woran ich aber Spaß habe ist es die Menschen zu beobachten. Mich fasziniert die Stimmung, die auf eine ganze Stadt überschwappen kann.

Ich kann es nicht wirklich erklären, aber wenn ein Spiel stattfindet, hat man des öfteren in der Stadt das Gefühl als wären alle eine große Familie.
Es schafft eine Gemeinsamkeit die nicht zu erklären ist.

So habe ich mich sehr gefreut das wir Karten geschenkt bekommen haben. Es wurde aber auch Zeit. Wir wohnen nun schon seit 27 Jahren hier und waren noch nie auf der Südtribüne.

Mittwoch war es dann soweit. Mit der Bahn sind wir hingefahren- faszinierend wie viele Menschen in eine Bahn passen. Einer geht noch .......und es wurde gedrückt und gedrückt.

Dann am Stadion anstellen, Leibesvisitation und wir waren drin.
Und dann kann ich nur sagen....Wahnsinn...... es ist wirklich Wahnsinn. Da sind 80.667 Menschen auf einem Schlag um sich ein Fußballspiel anzuschauen. Das liest sich so leicht, wenn ihr aber diese Menschen alle seht- gewaltig.


Da wo die vielen Flaggen zu sehen sind, ist die berüchtigte Südkurve.


Hinter dem Tor sitzt der Trommler der den Takt angibt und vor dieser Menschenmenge steht der Vorsänger auf einem Podest um die Fans anzuheizen.

                                                        Quelle: Spox.com

Am Anfang wird das Liebeslied für Borussia gesungen, alle stehen auf und schwenken den Schal



Ich sag ja, wie eine riesige Familie. Das sorgt schon für eine Gänsehaut....und ich denke wie toll es wäre wenn diese Masse sich gemeinsam für andere Dinge einsetzen würde.....


Das Spiel war nach einiger Zeit recht langweilig, beim BVB ist die Luft im Moment raus....aber um mich herum war es interessant.
Hinter uns saß ein junges Pärchen. Sie quasselte die ganze Zeit. Zwar  über Fußball, aber man merkte sichtlich das es den Mann nervte.

Dann gab es den alten Herrn der immer schrie: "ihr seid tot, ihr habt kein Leben mehr in euch" ( das schrie er zu den Spielern)

Vor uns saß ein schickimicki Pärchen. Sie waren die ganze Zeit am rauchen und mit ihrem Smarti beschäftigt, so das wir uns fragten weshalb sie wohl gekommen sind.

Nur um mal so einige zu nennen.
Wie ihr vielleicht wisst haben die Dortmunder an dem Abend verloren und konnten den letzten Platz der Tabelle nicht verlassen.

Als dies abzusehen war, breitete sich der Unmut im Stadion immer mehr aus. Das Spiel war zu Ende und die Fans fingen an zu pfeifen.  Und dann kamen die Spieler, stellten sich vor der Südtribüne
auf und ließen sich bestimmt 5 Minuten auspfeifen.

Sie standen einfach da, wie begossene Pudel.
Das kann ich nicht gut aushalten, es tat mir nur leid.
Überlegt euch einmal das ihr vor zigtausenden von Menschen steht und ihr werdet ausgepfiffen.
Das kann man doch nicht einfach wegstecken.

Ich überlege mir die ganze Zeit wie es ihnen wohl geht.....ist ihnen alles zu Kopf gestiegen? Sind sie zu gesättigt von dem vielen (und auch ehrlicherweise unverhältnismäßigen) Gehalt?
Aber wie sollten einem 80000 Menschen, die einen feiern oder ein Millionengehalt  nicht zu Kopf steigen?
Oder haben sie eine Kollektivblockade, die ihnen nichts gelingen lässt und lähmt? Das kennt man ja selbst auch. Es gibt Zeiten in denen nichts zu gelingen scheint und den Selbstwert in den Keller bringen.

Wir sind dann raus, sehen vor dem Stadion  am ganzen Zaun entlang Männer die sich des Bieres entledigen und quetschen uns wieder in die U- Bahn.

Tja, warum schreibe ich euch das?

Mich hat das wirklich sehr bewegt, beeindruckt und nachdenklich gemacht. Ich habe gemerkt wie die besondere und auch ergreifende Stimmung ein Wir- Gefühl entfacht, nach dem sich so viele Menschen sehnen.
Und wie schnell wandelt sich die Stimmung in Frust/ Aggression und zieht sich bis in den Alltag hinein.
Die Helden vom letzten Jahr, werden nun massiv abgewertet. Der Fußball scheint die Identität zu beeinflussen, das man sich keinen anderen Rat mehr weiß und die Spieler nun persönlich beschimpft. 
"Fußball ist mein Leben" und wenn es hier keine Leistung mehr gibt, macht das etwas mit der eigenen Identität.
Es ist für mich ein Phänomen, dann aber auch wieder nicht.

Denn es zeigt mir die Sehnsucht nach etwas anderem. Es zeigt die geballte Kraft die entsteht wenn Menschen ein gemeinsames Ziel haben. Und es zeigt das Sport auch verbinden kann. Und es zeigt die Sehnsucht sich mit etwas Größerem zu identifizieren......

Ich für mich muß aber sagen, das ich nicht wirklich Fan werden kann. Ich mache mir zu viele Gedanken um die Seele.

Morgen unternehme ich etwas ganz anderes. Zuerst nehme ich an einer Vorführung im Bereich Maltechniken teil und dann besuche ich mit einer Freundin die Hundertwasserausstelllung.

Also Kultur pur in dieser Woche.
Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende und wenn ihr Fußballfans seid, dann seid barmherzig mit den Spielern.
Liebste Grüße
Ina



Kommentare:

  1. Your football match sounds like fun Ina. I have never been to one myself. Perhaps I should follow your example and go with one of my daughters :-)

    Wishing you a happy week and thank you for your kind comment on my blog!

    Madelief x

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  2. Ich bin ja auch ein großer Fußball-Fan.....aber von einer anderen Mannschaft..... aus dem tiefen Süden, lach :)

    Trotzdem hoffe ich sehr, dass die Borussia wieder in die erste Hälfte der Liga rutscht ;) Der Anfang ist ja jetzt gemacht!

    Sag einmal, könntest du es nicht so einstellen, dass ich deinem Blog per email folgen kann?
    Wäre total schön, denn somit würd ich nichts mehr verpassen.

    Liebe Grüße,
    Suse

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    1. Liebe Suse, oh- oh....die Bayern ;-)
      Du, ich würde das gerne machen mit der Mail, weiß aber nicht wie das geht. Ich kann meine Söhne mal fragen. Es freut mich ja das du gerne hier liest. Liebe Grüße und einen schönen Tag dir, Ina

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